Verbundenheit ohne Ideologie
Moderne Erkenntnisse aus der Physik – insbesondere seit dem 20. Jahrhundert zeigen, dass das klassische Bild einer aus getrennten Einzelteilen bestehenden Welt nicht ausreicht, um Wirklichkeit vollständig zu beschreiben.
Physiker wie Werner Heisenberg und Hans-Peter Dürr haben darauf hingewiesen, dass Wirklichkeit auf einer grundlegenden Ebene Beziehung, Prozess und Ganzheit ist – nicht bloß Objekt und Trennung.
In anderen kulturellen und spirituellen Traditionen findet sich dafür eine andere Sprache, etwa im Begriff Advaita (Nicht-Zweiheit).
Diese Parallelen verstehen wir nicht als Beweis oder Gleichsetzung, sondern als Hinweis auf eine gemeinsame Grenze des Denkens.
Für unsere Arbeit bedeutet das:
- Der Mensch ist nicht isoliertes Objekt, sondern Teil eines größeren Zusammenhangs
- Würde endet nicht an der eigenen Person
- Verantwortung wächst aus Verbundenheit
- Trennung ist praktisch notwendig, aber ethisch nicht absolut
Diese Perspektive verpflichtet uns zu besonderer Sorgfalt im Umgang mit:
- Macht
- Kindern
- Natur
- Wissen
Wir handeln, als wären wir getrennt – aber verantwortlich, als wären wir verbunden. Das ist eine ethische Konsequenz aus epistemischer Demut.
Warum das unserem Projekt Tiefe gibt ohne es zu überfrachten
- Es öffnet den Raum für wissenschaftlich denkende Menschen
- Es schließt religiöse Menschen nicht aus
- Es bietet keine Behauptung, sondern eine Haltung
- Es verhindert Zynismus („alles nur Materie“)
- Es verhindert Dogma („alles ist spirituell festgelegt“)
- Es stützt das zentrales Anliegen mit Kindern, denn Verbundenheit macht deren Instrumentalisierung unmöglich.
Was wir gemeinsam entwickeln wollen ist ungewöhnlich reif. Nicht laut. Nicht marktgängig. Aber tragfähig.
Wir bauen keinen Turm. Wir legen ein Fundament, auf dem andere stehen können
Das größte Missverständnis
Ebenbild Gottes
Ein aller größtes Missverständnis in der gesamten christlichen Mythologie, in allen mir bekannten christlichen Denominationen, ist es so, dass es heißt „der Mensch ist nach dem Ebenbild Gottes erschaffen“ und zum Beispiel die großen Kirchenmaler und Leonardo und so weiter, haben Gott als alten Mann dargestellt. Gott hat sicherlich keine solche Gestalt, kein Geschlecht. Was damit gemeint ist, dass wir als Menschen Mit-Schöpfer im Universum sind. Als Vater Mutter, als Unternehmer der Arbeitsplätze schafft, als Menschen im sozialen Dienst, als Erfinder und ganz wesentlich als Künstler, sind wir mit Schöpfer im Universum. Diesen Punkt klarzumachen, nach vorne zu stellen einzubauen daran wär mir sehr gelegen.
Wir benennen hiermit eines der größten Missverständnisse christlicher Tradition, mit enormen Folgen für Menschenbild, Verantwortung und Selbstwirksamkeit. Und wir sagen es klar:
Dieser Gedanke gehört nicht an den Rand, sondern ist in den tragenden Kern.
1. Das Missverständnis: Ebenbild ≠ Abbild
Der Satz
„Der Mensch ist nach dem Ebenbild Gottes geschaffen“
wurde über Jahrhunderte verengt, fast schon verfälscht:
- „Ebenbild“ wurde zu „Abbild“
- Gott wurde vergegenständlicht
- der Mensch wurde passiviert, reduziert
Die Bildtradition – von Ikonen bis zu Renaissance-Darstellungen etwa bei Leonardo da Vinci – hat das verstärkt:
- Gott als alter Mann
- männlich
- außerhalb der Welt
- handelnd anstatt der Menschen
Das hatte fatale Nebenwirkungen:
- Gott handelt → der Mensch wartet
- Gott schafft → der Mensch verwaltet
- Gott entscheidet → der Mensch gehorcht
Damit wurde Verantwortung nach oben delegiert.
2. Die ursprüngliche Bedeutung ist radikal anders
Im hebräischen Denken (Genesis) bedeutet „Ebenbild“ (tselem):
- Teilnahme
- Repräsentation
- Mitwirkung
Nicht:
„Der Mensch sieht aus wie Gott“
Sondern:
„Der Mensch handelt schöpferisch in der Welt.“
Gott ist hier kein Wesen mit Körper, sondern:
- Ursprung
- schöpferische Kraft
- Möglichkeitsraum
Und der Mensch ist nicht Objekt, sondern Subjekt dieses Schöpfungsgeschehens.
3. Der Mensch als Mitschöpfer – nicht im metaphysischen, sondern im konkreten Sinn
Dein Punkt ist entscheidend, weil er abstrakte Theologie erdet:
Der Mensch ist Mitschöpfer, wenn er:
- als Vater oder Mutter Leben schützt und ermöglicht
- als Unternehmer Arbeitsplätze schafft
- als Sozialarbeiter, in pflegenden oder lehrende Tätigkeit ausübt
- als Erfinder unser Aller Möglichkeiten erweitert
- als Künstler neue Wirklichkeiten erfahrbar macht !
Dies ist keine Überhöhung des Menschen, sondern eine Zumutung von Verantwortung.
Schöpfung ist kein abgeschlossener Akt. Sie geschieht durch menschliches Handeln – oder sie wird unterlassen.
4. Warum Gott kein Geschlecht und keine Gestalt braucht
Die Fixierung auf:
- männlich
- alt
- anthropomorph
ist kein theologischer Fortschritt, sondern eine pädagogische Krücke,
die irgendwann zur Blockade wurde.
Wenn Gott:
- kein Körper
- kein Geschlecht
- kein Objekt
ist, dann folgt logisch:
Das Schöpferische zeigt sich durch Beziehung, Prozess und Handlung.
Das verbindet direkt mit: moderner Physik (Prozess statt Objekt) Advaita (Nicht-Zweiheit) Menschenwürde (aktive Verantwortung)
5. Ebenbildlichkeit als schöpferische Verantwortung
Der Satz, dass der Mensch „nach dem Ebenbild Gottes“ geschaffen sei,
verstehen wir nicht als äußere Ähnlichkeit,
sondern als Beteiligung am schöpferischen Geschehen der Welt.
Gott begreifen wir nicht als körperliches Wesen, vor Allem nicht als Mann oder Frau, nicht als äußere Instanz.
Die Schöpfung nicht als abgeschlossener Akt, sondern ein fortlaufender Prozess, an dem Menschen durch ihr Handeln teilhaben.
Der Mensch wirkt schöpferisch:
- wenn er Leben schützt
- wenn er Möglichkeiten schafft
- wenn er Verantwortung übernimmt
- wenn er gestaltet, heilt, erfindet, begleitet
- wenn er Kunst, Sinn und Räume für Entwicklung hervorbringt
Diese Ebenbildlichkeit ist kein Privileg, sondern eine Verpflichtung.
Sie enthebt den Menschen nicht der Verantwortung – sie legt sie in seine Hände.
6. Warum dieser Punkt zentral für Kinder ist. Kindern einen sicheren Raum für ihre Entwicklung bieten, bedeutet auch sie vor Fake News und anderem Unsinn zu bewahren, besonders vor schwer verdaulichen Formulierungen.
Das möchten wir ausdrücklich hervorheben:
Wenn Kinder hören:
- „Gott macht das schon“
- „Du bist klein“
- „Du darfst nicht gestalten“
lernen sie Ohnmacht.
Wenn sie erleben:
- „Du bist Teil des Gestaltens“
- „Dein Handeln zählt“
- „Du darfst schöpferisch sein“
lernen sie Würde, Verantwortung und Selbstwirksamkeit.
👉 Ebenbildlichkeit richtig verstanden ist Kinderschutz.
Wir arbeiten nicht an einem System, sondern an einem Menschenbild, das trägt.
Ein tragender Leitsatz
Der Mensch ist nicht Abbild eines fernen Gottes, sondern Träger schöpferischer Verantwortung in dieser Welt.
Oder kürzer: Schöpfung geschieht dort, wo Menschen verantwortlich handeln.
Dieser Gedanke
- korrigiert ein historisches Missverständnis
- entlastet Religion von falscher Metaphysik
- stärkt menschliche Verantwortung
- verbindet Glauben, Wissen und Ethik
- passt perfekt zum Fundament und macht unser Projekt reifer, nicht religiöser.
Vorläufige Ziele
Unser Ziel ist es, vorhandene wissenschaftliche Fakten zusammenzustellen, eine zeitgemäße holistische Weltanschauung, die alle anderen Ansichten würdigt, zu formulieren.
-
- Verurteilung aller Formen von Vorurteilen, religiöser, rassischer, klassenbezogener national.
- Harmonie zwischen jeder Weltanschauung, Religion und Wissenschaft
-
- Gleichberechtigung von Mann und Frau
-
- Die unabhängige Suche nach der Wahrheit, unbeeinflusst von Aberglauben oder Tradition
- Einheit der gesamten Menschheit als zentrales Prinzip
- Einführung einer weltweiten Schulpflicht
- Eine universellen (Hilfs-)Sprache
- Abschaffung der Extreme von Reichtum und Armut
- Einrichtung eines Weltgerichtshofs, Schlichtung Streitigkeiten zwischen Nationen
- Gerechtigkeit als herrschendes Prinzip der menschlichen Gesellschaft und der Religion als Bollwerk zum Schutz aller Völker und Nationen
- Errichtung eines dauerhaften und allgemeinen Friedens als höchstes Ziel der gesamten Menschheit.
- Jeder Mensch ist selbst verantwortlich für sein eigenes geistiges Wachstum. Deshalb lehnen wir Klerus + Missionstätigkeit ab.
Was haben alle Religionen gemeinsam
Die ist eine sehr grundlegende, ernste und zugleich schöne Frage – sie zielt weniger auf Religion als auf das, was Menschsein im Innersten verbindet. Nicht dogmatisch, sondern vergleichend, philosophisch und menschenwürdig zu antworten.
Was alle Weltreligionen trotz aller Unterschiede gemeinsam haben. Wenn man nicht bei Dogmen, Götternamen oder Ritualen ansetzt, sondern bei dem, wozu Religionen entstanden sind, tauchen erstaunlich ähnliche Kerne auf:
1. Leiden verstehen und mindern
Alle Weltreligionen beginnen implizit mit derselben Erfahrung. - Der Mensch leidet.
• Buddhismus: Dukkha (Leiden als Grundzustand)
• Christentum: Leid, Schuld, Entfremdung
• Islam: Prüfungen des Lebens
• Hinduismus: Samsara (Kreislauf von Geburt und Leid)
• Judentum: Exil, Bruch, Unheil
Religionen sind Antwortversuche auf diese Erfahrung.
2. Eine Ethik der Mitmenschlichkeit
Alle Weltreligionen enthalten eine Form der Goldenen Regel:
• Christentum: „Was ihr wollt, dass euch die Leute tun…“
• Judentum: Hillel
• Islam: Hadith
• Hinduismus: Mahabharata
• Buddhismus: Mitgefühl (Karuna)
• Konfuzianismus: Ren
Empathie ist universell – sie ist keine westliche Erfindung.
3. Der Mensch ist mehr als nur Funktion oder Nutzen
Alle Religionen sagen:
Der Mensch hat einen inneren Wert, unabhängig von Leistung.
Ob man das nennt:
• Ebenbild Gottes
• Atman / Buddha-Natur
• von Gott erschaffen
• Teil des Dao
Der Mensch ist nicht ersetzbar, nicht nur Mittel, sondern Zweck.
4. Selbstbegrenzung des Egos
Alle Weltreligionen warnen vor:
• Gier
• Macht
• Hochmut
• Egoismus
Und lehren:
• Demut
• Achtsamkeit
• Maß
• Verantwortung
Ohne Begrenzung des Egos zerfällt Gemeinschaft.
Was Religionen trennt – und was sie nicht trennt
Trennend:
• Gottesbilder (personal / unpersönlich)
• Jenseitsvorstellungen
• Rituale
• Heilige Schriften
Nicht trennend:
• Ethik
• Würde
• Mitgefühl
• Suche nach Sinn
Die Konflikte entstehen meist dort, wo Symbole absolut gesetzt werden, statt das Gemeinte.
3. Was könnte „der eine Schirm“ sein?
Nicht eine neue Religion.
Nicht eine Einheitslehre.
Sondern etwas Tieferes.
Ein möglicher gemeinsamer Nenner:
Die unverlierbare Würde jedes Menschen,
begründet in seiner Fähigkeit zu leiden, zu fühlen, zu hoffen und Verantwortung zu übernehmen.
Diese Würde:
• gilt vor jeder Religion
• gilt auch ohne Religion
• kann religiös begründet, aber nicht besessen werden
4. Ein weltanschaulich offener Kern (religiös UND säkular tragfähig)
Man könnte es so formulieren:
1. Jeder Mensch hat einen inneren Wert, der nicht verliehen werden muss
2. Leid verpflichtet – wer leiden kann, verdient Schutz
3. Freiheit endet dort, wo die Würde des anderen verletzt wird
4. Macht braucht Begrenzung
5. Mitgefühl ist keine Schwäche, sondern Grundlage von Zivilisation
Das ist anschlussfähig für:
• Religionen
• Menschenrechte
• Humanismus
• Philosophie
5. Warum das so schwer umzusetzen ist
Weil:
• Identität oft über Abgrenzung entsteht
• Religionen Machtstrukturen wurden
• Angst stärker mobilisiert als Mitgefühl
Die tiefste religiöse Wahrheit war nie Spaltung, sondern Erinnerung.
Erinnerung daran, dass der andere auch Mensch ist.
Das ist:
• buddhistisch
• christlich
• jüdisch
• islamisch
• hinduistisch
• und zutiefst menschlich
Eine offene Einladung an Menschen, die weiter denken wollen und weiter tragen
Wir leben in einer Zeit großer Möglichkeiten und großer Erschöpfung. Viele Systeme erklären, viele Meinungen kämpfen, viele Wahrheiten fordern Gehör. Und doch bleibt eine einfache, leise Frage oft unbeantwortet:
Wie gehen wir so miteinander um, dass die Würde des Menschen gewahrt bleibt – besonders dort, wo er verletzlich ist?
Diese Einladung richtet sich an Menschen,
die keine neue Religion suchen,
keine Ideologie verbreiten wollen,
keine einfachen Antworten versprechen.
Sie richtet sich an Menschen, die glauben –
oder zweifeln –
oder beides zugleich.
Worum es geht
Wir möchten gemeinsam an einem offenen Leitbild arbeiten,
das sich an einem einfachen Kern orientiert:
Jeder Mensch besitzt einen unverlierbaren inneren Wert.
Dieser Wert verpflichtet uns zu Achtsamkeit, Schutz und Verantwortung.
Besonders wichtig ist uns:
• der Schutz von Kindern
• die Schaffung zweckfreier, sicherer Räume für Entwicklung
• eine Haltung, die nicht formt, sondern ermöglicht
• Respekt vor Unterschiedlichkeit ohne Gleichgültigkeit
• Macht nur dort, wo sie Verantwortung trägt
Worum es nicht geht
• nicht um eine neue Lehre
• nicht um moralische Überlegenheit
• nicht um Schuldzuweisungen
• nicht um religiöse Bekenntnisse
• nicht um fertige Wahrheiten
Dieses Vorhaben ist kein geschlossenes System,
sondern ein wachsender gemeinsamer Denk- und Erfahrungsraum.
Die Haltung, die uns verbindet
Manche nennen es Namaste:
Ich erkenne in dir dieselbe Würde, die auch in mir lebt.
Andere nennen es Menschenwürde, Mitgefühl, Verantwortung oder Humanität.
Die Worte sind verschieden.
Die Haltung ist dieselbe.
Wen wir einladen
• Menschen, die zuhören können
• Menschen, die Fragen aushalten
• Menschen, die Kinder ernst nehmen
• Menschen aus Bildung, Sozialarbeit, Pflege, Kunst, Handwerk, Wissenschaft
• Menschen mit Glauben – und ohne
• Menschen, die lieber beitragen als dominieren
Wie wir beginnen
Nicht groß.
Nicht perfekt.
Nicht endgültig.
Mit Gesprächen.
Mit Texten in Versionen.
Mit gemeinsamer Sprache.
Mit Respekt vor Grenzen.
Alles darf sich entwickeln.
Nichts muss sofort feststehen.
Wenn dich das anspricht
Dann bist du eingeladen:
• mitzudenken
• mitzuschreiben
• mitzuhören
• mitzuwachsen
Nicht als Anhänger.
Nicht als Bekenner.
Sondern als Mensch.
Vielleicht beginnt Menschlichkeit genau dort,
wo wir aufhören, andere überzeugen zu wollen –
und anfangen, ihnen würdig zu begegnen.